Faymanns Werk und Spindeleggers Beitrag

veröffentlicht am 3. Oktober 2011 - 1 Kommentar

„Warum soll es der ÖVP anders gehen als den internationalen Börsen, Spielraum nach unten ist immer.“ Wer heute mit ÖVP Mitgliedern spricht, erntet vor allem eines für den Zustand der eigenen Partei: Spott. Die ÖVP ist am Boden – und bleibt es auch.

Der heute veröffentlichte ATV-Österreich.TREND (23.-28.9.; n=1000, ± 3,1% Schwankungsbreite) zeigt auf den ersten Blick keine allzu revolutionären Neuigkeiten. Die FPÖ verliert klar ihren ersten Platz an die SPÖ, die mit 30 Prozent bequem vor allen anderen Parteien liegt, die ÖVP verliert ein Prozent, und das BZÖ liegt bei ein bisschen überraschend hohen 6 Prozent. Kann sich ja alles noch ändern, ist noch lange hin bis zur Wahl, oder nicht?

Ja, oder eben nicht. Denn während es in den darunterliegenden Daten einen Gewinner gibt, gibt es eben so einen klaren Verlierer. Werner Faymann kann sich die Hände reiben bei diesen Zahlen. Nicht nur weil seine Partei wieder klar Nummer eins ist, sondern wegen einiger Zahlen über die wir gleich noch sprechen. Zuvor aber das Unangenehme. Von Kanzlerbonus für Werner Faymann kann man längst nicht mehr sprechen, den hat schon Alfred Gusenbauer gegen Prämienmeilen bei der Lufthansa eingetauscht. Gute Persönlichkeitswerte wird Faymann (Kanzlerfrage : 18 Prozent) so schnell nicht erreichen, aber seine Stärken liegen ganz woanders.

SPÖ Wähler die mit der Arbeit der Regierung zufrieden/sehr zufrieden sind: 51 Prozent, im Vergleich dazu die Durchschnittsbevölkerung: 20 Prozent. Der Glaube an die Demokratie ist bei SPÖ Wählern (zufrieden/sehr zufrieden) mit 66 Prozent überdurchschnittlich hoch im Vergleich zum Durchschnitt bei 45 Prozent und zum Schluss noch das Gerchtigkeitsempfinden. 60 Prozent der SPÖ Wähler glauben dass es in Österreich eher gerecht zugeht, im Durchschnitt glauben dass nur 40 Prozent. Man kann also zusammenfassend sagen: SPÖ Wähler glauben an das System Österreich und auch an das System Faymann. Wir haben im ATV Österreich.TREND keinerlei Hinweise gefunden, dass der SPÖ die Inseratenaffäre zur Zeit nur irgendwie schadet, ihrem Chef schadet sie ein wenig bei den Persönlichkeitswerten.

Und dann ist da noch die ÖVP und ihr Chef Michael Spindelegger. Wer dachte 18 Prozent für einen amtierenden Kanzler seien schlecht, dem sei diese Grafik empfohlen. Der schwarze Strich mit dem Hang nach unten, dass ist jener von Michael Spindelegger. Nur noch jeder zehnte Österreicher hält den amtierenden Vizekanzler Michael Spindelegger für einen guten Kanzler. Solche Werte hatte zuletzt FPÖ Vizekanzler Hubert Gorbach. Selbst unter den ÖVP Anhängern würden nur 58 Prozent Spindelegger als Kanzler direkt wählen, hingegen 71 Prozent der SPÖ Anhänger Faymann und gar 79 Prozent der FPÖ Anhänger Strache.

Wirklich desatrös im Übrigen: Mehr als ein Drittel (34 Prozent) findet keiner der Genannten „kann Kanzler“. Weit mehr als einzelnen Figuren wird der generellen Unfähigkeit in der Politik vertraut. Aber zurück zu Michael Spindelegger, und den Werten der ÖVP.

Überraschend die Werte bei der Gerechtigkeitsfrage. Während 60 Prozent der SPÖ Wähler Österreich als gerechtes Land einstufen, würden dies nur 45 Prozent der ÖVP Wähler. Außerdem sind die ÖVP Wähler mit der Demokratie in Österreich unzufriedener als SPÖ Wähler. 49 Prozent ÖVP zu 66 Prozent SPÖ.Die ÖVP hat ein dramatisches Problem: Ihre Wähler glauben nur mehr sehr eingeschränkt an jenes System, dass die ÖVP seit Jahrzehnten mitregiert. SPÖ Wähler sind tendenziell zufriedener mit den Zuständen in diesem Land, der Regierung, der Demokratie, die ÖVP-Wähler haben offenbar damit abgeschlossen, vertrauen der Führungspersönlichkeit ihrer Partei nicht mehr und den Institutionen die sie vertritt.

All das sind klare Zeichen, dass etwas schief läuft bei den Schwarzen, und die Roten zur Zeit nicht viel falsch machen können.

1 Kommentar

  1. Was die Schwarzen anbelangt, geb ich dir recht. Was die SPÖ und Inserate anbelangt…glaub ich, dass die Schäden andere, subtiler sind, als in einer Umfrage feststellbar. Und ich bin auch der Meinung, dass die Inseratengeschichte möglicherweise noch länger dauern wird. Ich orte Anzeichen einer Skandalierung:)

Antworten