Mitten ins Mark

veröffentlicht am 1. Juni 2015 - 3 Kommentare

Die Freiheitlichen sind die Wahlgewinner der gestrigen Landtagswahl in der Steiermark. ÖVP und SPÖ verlieren gemeinsam 125.000 Wählerinnen und Wähler bei nur einer Wahl und bleiben nur ganz knapp vor der FPÖ. Die Themen Zuwanderung und Asyl waren das Hauptmotiv der freiheitlichen Wählerinnen und Wähler, doch viele haben nicht mal Asylwerber im Ort.

Hartl in der Steiermark. Ein idyllisches kleines Dorf, eine Reformgemeinde, die vor kurzem mit zwei weiteren Gemeinden fusioniert wurde. Seit dem Wahlsonntag ist Hartl eine blaue Hochburg. Nichts deutet in den Tagen vor der Landtagswahl auf den Umschwung hin, bei der Gemeinderatswahl erreicht die ÖVP noch 71 Prozent, die FPÖ nur 19. Am letzten Tag im Mai wird dann alles anders. 44,10% der Menschen in Hartl wählen blau. Ein Plus von 32%. So stark wird die FPÖ sonst nirgends sein. Die Anzahl der Asylwerber im Ort: 0.

FPÖ Ergebnisse in den Gemeinden

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Die FPÖ in der Steiermark hat einen – selbst für blaue Verhältnisse – extrem auf das Asyl- und Ausländerthema zugespitzten Wahlkampf gemacht. Peter Hajek hat im Auftrag von ATV 1000 Wähler in der Steiermark befragt, warum sie ihre Partei gewählt haben. Anders als bei ORF/SORA findet die Motivforschung bei ATV/Hajek „ungestützt“ statt. Die Interviewten bekommen keine Vorgaben aus denen sie auswählen, sondern erzählen „aus dem Bauch“ warum sie eine Partei gewählt haben. 27% der FPÖ Wähler haben da das Ausländerthema genannt. Mit großem Abstand war es das für die FPÖ wichtigste Thema. Der tatsächliche Kontakt mit Asylwerbern spielt da keine Rolle. Man kann sich auch vor Asylwerbern fürchten, ohne mit ihnen Kontakt zu haben.

Schäffern zum Beispiel, ein kleines Nest an der Grenze zum Burgenland. 74 Asylwerber sind in der Gemeinde in der Grundversorgung, soviele wie in kaum einer anderen Gemeinde in der Steiermark. Und doch bleibt die FPÖ nur unterdurchschnittlich. Nur 23% wählen in der Gemeinde freiheitlich. In Vordernberg, in der das Schubhaftzentrum seit Jahren in den Medien ist und 48 Asylwerber betreut werden, erreicht die FPÖ 23,8%.

Asylwerber pro Wahlberechtigten

Neuberg an der Mürz ist die Ausnahme von der Regel. Hier wohnen, pro Wahlberechtigten, soviele Asylwerber wie in keiner anderen Gemeinde in der Steiermark,  hier kann die FPÖ deutlich dazu gewinnen. Mit 34% ist sie stark und klar Erster.

In 176 Gemeinden wohnt zur Zeit kein einziger Asylwerber, nur 111 Gemeinden beherbergen zumindest eine Person. In all jenen Gemeinden die Asylwerber beherbergen kommt die FPÖ im Schnitt auf 29,23%, in jenen ohne auf 27,53%. Ein großer Unterschied sieht anders aus. Asylwerber im Ort beeinflussen das Ergebnis kaum, die FPÖ ist so oder so stark.

Und dann ist da noch Graz, die mit Abstand größte Stadt im Land. 29% aller Wahlberechtigten wohnen hier und auch 1.441 Asylwerber. Die FPÖ, traditionell stark in den Städten, schafft es gerade mal über 20%. Das wäre in den anderen Bundesländern ein Triumph, in der Steiermark ist es unterdurchschnittlich.

Asyl war ein großes, wichtiges, vermutlich wahlentscheidendes Thema bei dieser Landtagswahl, völlig unabhängig davon, ob man selbst und die eigene Gemeinde betroffen ist.

Update 2. Juni: Nun auch mit Daten aus dem Burgenland, auch hier zeigen sich die selben Effekte. Im kleinen Unterfrauenhaid sitzen zwar, im Verhältnis zu den Wahlberechtigten, die meisten Asylwerber, dennoch erreicht die FPÖ nur 11,52% und liegen damit 4% unter dem landesweiten Ergebnis. In Kemeten, wo die FPÖ fast 30% erreicht wurde nicht ein einziger Asylwerber aufgenommen.

Update 16. Juni: Zur Klarstellung: Die hier verwendeten Daten sind ausschließlich die Ortsergebnisse. Da Briefwahlstimmen nicht einer Gemeinde eindeutig zuordenbar sind, werden sie hier weggelassen.

 

 

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Vielen Dank an Michael Horak für die Unterstützung bei dem Beitrag!

1 Kommentar

  1. Zu Neuberg muss man aber auch sagen, dass Hannes Amesbauer von dort ist.

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